Wie übersetzt man „Twittern“ richtig? Richtig: gar nicht

Es ist schon eine Weile her: Als Twittern aufkam, herrschte Unsicherheit, wie man die Teilnahme an dem Dienst wohl in korrektem Deutsch beschreibt: Zwitschern? Anpiepsen? Texteln? Nachgefragt bei einer Sprachexpertin.

Wie übersetzt man Twittern richtig? Der Duden war dabei wenig hilfreich:

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Oder meinten Sie: wittern ?

Zum Glück gibt’s die Sprachberatung der Stiftung Deutsche Sprache. Christiane Götzeler verfasste auf meine Anfrage hin eine ausführliche Würdigung des Begriffs Twitterns und seiner korrekten Übersetzung unter Berücksichtigung vieler Aspekte wie Umschreibung, Anglizismus, Missverständnisvorbeugung und dem Verhältnis Schreibung-Aussprache. Auszüge:

Es handelt sich bei „Twitter“ um eine Art fachsprachliche Bezeichnung für einen Kommunikationsdienst bzw. ein Kommunikationsnetz. „twittern“ bezeichnet die entsprechende kommunikative Tätigkeit.

Eine Übersetzung bringt hier Probleme mit sich, da damit die Gefahr der Unverständlichkeit oder des Missverständnisses entstünde.

Also besser nicht übersetzen, das lese ich daraus. Doch für jeden, der partout übersetzen möchte, hat Götzeler entsprechende Hinweise:

Theoretisch denkbar wären wörtliche Übersetzungen von ‚twittern‘ als

  • zwitschern
  • piepen
  • schnattern

Möglich wären auch Umschreibungen für „twittern“ wie:

  • anpiepsen
  • plaudern
  • quasseln
  • Kurzmitteilung/Kurzbotschaft senden/schicken
  • Schnellmitteilung/Schnellbotschaft senden/schicken

„Twitter“ als Substantiv könnte man evtl. ersetzen durch:

  • Kurz-/Mini-/Schnellnachrichtendienst
  • Zwitscherdienst/-netz

Allerdings ist fraglich, ob die Sprachteilnehmer darunter dasselbe verstehen würden wie unter „twittern“/“Twitter“.

So weit die Expertin von der Sprachberatung. Gefallen hat mir allerdings keine diese Übersetzungen und Umschreibungen. Alles klingt dem Dienst irgendwie fremd. Was bei konsequenter Eindeutschung draus werden könnte, erzählt sie hier:

Eine Möglichkeit wäre, den Anglizismus einmal erklärend neben einer Übersetzung zu nennen und im Folgenden auf die Übersetzung zurückzugreifen, z. B.: „Ich habe neuerdings das Zwitschern („Twittern“) entdeckt. Meine Freundin und ich schicken uns jetzt dauernd Zwitschernachrichten …“

Auch das erscheint mir fragwürdig. Twittern ist schon ein Fremdwort, warum sollte man „Zwitschern“ als weiteres hinzufügen? Gefühlt ist „Zwitschern“ nicht die richtige Übersetzung. Das ahnt auch Götzeler:

Möglicherweise könnte auf diese Weise längerfristig auch eine deutsche Bezeichnung etabliert werden (wobei es evtl. auch zu einer „Doppelbedeutung“ eines bestehenden Wortes wie bei englisch „twitter“ für wörtliches Zwitschern und Benutzen des Kommunikationsdienstes kommen könnte).

Vom Sprachsystem her betrachtet ist der Anglizismus „twittern“ recht unproblematisch, da das Verhältnis Schreibung-Aussprache des englischen Wortes dem Deutschen ähnelt, es also kaum Probleme mit der Aussprache geben wird.

Mit Dank an Christiane Götzeler: Bleiben wir also beim Begriff „Twittern“ und deutschen ihn ein. Wer ihn noch nicht kennt und nicht versteht, muss auf in Klammern gesetzte Erklärhilfen bei den darüber schreibenden Journalisten hoffen.

Wer twittert, der twittert. Das ist eben etwas Neues.

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